Nachhaltig investieren – leicht gesagt, schwer umgesetzt?

Der Begriff Nachhaltigkeit ist mittlerweile in aller Munde. Doch was ist Nachhaltigkeit überhaupt, und was bedeutet „nachhaltig investieren“? Um dieser Frage, zumindest ansatzweise, auf den Grund gehen zu können, bedarf es vorab einer – ganz theoretischen – Begriffsklärung.

Nachhaltigkeit oder eng. Sustainability bedeutet ganz allgemein das Prinzip des verantwortungsvollen Wirtschaftens, bei dem die natürlichen Ressourcen dauerhaft bewahrt werden sollen. Für sich rührt der Begriff der Nachhaltigkeit bzw. der Nachhaltigen Entwicklung aus der Forstwirtschaft, und beruht auf dem sog. „Brundtland-Bericht“ der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung von 1987.

Nach diesem ist eine „dauerhafte Entwicklung eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ und gilt damit gewissermaßen als der Auftakt der weltweiten Debatte bzw. Kontroverse über Nachhaltigkeit.

Im Laufe der Zeit wurde der Begriff Nachhaltigkeit auf vielen Konferenzen weiter debattiert und auf mit der Konferenz für „Umwelt und Entwicklung“ in Rio de Janeiro 1992 erstmalig ein ganzheitlicher wie globaler Ansatz gebildet, welcher sich dreidimensional darstellt: Ökologische Tragfähigkeit, Soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Der Schlüssel zum Verständnis: ESG

Diese drei Dimensionen finden sich in dem heute etablierten Schlagwort ESG wieder. Dieses Kürzel steht für die drei Bereiche: Environment,  also Umwelt bzw. Umweltschutz, Social, das Soziale Faktoren wie z.B. Menschen- und Arbeitnehmerrechte, Chancengleichheit und Gesundheitsschutz umfasst sowie Governance, also Unternehmensführungsthemen wie z.B. Unabhängigkeit von Vorstand und Aufsichtsrat, auf Langfristigkeit ausgerichtete Vergütungssysteme und Korruptionsbekämpfung.

Der ESG-Ansatz hat sich in der Finanzbranche zu einem Standard bei der Definition von nachhaltigen Geldanlagen entwickelt. Es erscheint unwiderlegbar, dass Unternehmen in einer Marktwirtschaft nur dann dauerhaft bestehen können, die die oben genannten Kriterien, und noch weitere, auf gebührende Art und Weise beachten bzw. umsetzen.

Es gibt verschiedene Ansätze, nach denen nachhaltig investierende Investmentfonds ihre Zielanlagen auswählen:

  • Ausschlusskriterien 
  • ESG-Integration
  • Best-in-Class
  • Nachhaltige Themenfonds
  • Engagement
  • Normbasiertes Screening
  • Impact Investment
  • Stimmrechtsausübung

Dabei werden verschiedene Herangehensweisen gelebt. Vom grundsätzlichen Ausschluss von bestimmten Branchen oder Geschäftsmodellen, über die nachhaltigen Themenfonds, die sich besonders mit, von der Öffentlichkeit als nachhaltig angesehenen, Themen wie der alternativen Energiegewinnung beschäftigen, hin zur aktiven Stimmrechtsausübung der Fondsgesellschaften als Anteilseigner.

Was bedeutet das nun für die Investitionspraxis?

Nahezu jede namhafte Fondsgesellschaft hat in den letzten Jahren Produkte nach den ESG-Kriterien aufgelegt oder vorhandene Investmentvehikel nach diesen Kriterien ausgerichtet. Die Anzahl der der nachhaltigen Geldanlagen bzw. verwalteter Vermögen stieg im Zeitverlauf zusehends an und der Verwendungsgrad der Ansätze zeigt sich grundsätzlich heterogen, mit einer Entwicklung weg von reinen Strategie der „einfachen“ Ausschlusskriterien:

Laut der Investmentbank State Street wurden 2017 doppelt so viele ESG-Fonds aufgelegt wie im Jahr 2014. Zudem lässt sich in der Zeit von 2012 bis 2016 ein Bestandsanstieg von Nachhaltigkeitsfonds- bzw. gelabelten Fonds von 73% feststellen. Ergänzend dazu sind aktuell ca. 25 % aller globalen Investmentportfolios nachhaltig orientiert aufgestellt.

Die Finanzindustrie hat die gesteigerte Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit für sich erkannt und damit auch die Durchdringung des ESG-Themas, von der Produktebene ausgehend, auch auf die institutionelle Basis gehoben. Das Volumen der Gelder, die unter ESG-Beachtung investiert sind, steigt seit geraumer Zeit stetig.

Dabei verfolgen viele Fondsanbieter mit Ihren Investmentstrategien auch die Erreichung bzw. Erfüllung der „Sustainable Development Goals“ (SDG) der sog. „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen. Diese Agenda aus dem Jahr 2015 stellt ein Zukunftsabkommen dar, welches mit 17 Nachhaltigkeitszielen wie „keine Armut“, „Geschlechtergleichheit“, „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ oder „Verantwortlicher Konsum und Produktion“ die Zukunft unseres Planeten sicherstellen soll.

Nachhaltigkeit auf dem Vormarsch

Die Agenda 2030 ist ebenso auch eine Grundlage des sogenannten „United Nations Global Compact“ aus dem Jahr 2000, der weltweit wichtigsten und größten Interessengemeinschaft für verantwortungsbewusste Unternehmensführung. Dieser Initiative haben sich bereits mehr als 13.000 Organisationen und Unternehmen aus 161 Ländern angeschlossen.


Zudem wurden, in Partnerschaft mit dem UN Clobal Compact, 2006 die „UN Principles for Responsible Investment – UNPRI“ ins Leben gerufen, welche weltweit bereits weit über 2.000 Finanzinstitute mit einem verwalteten Vermögen von über 80 Billionen Dollar unterzeichnet haben.

Damit wollen Großinvestoren Ihre Bereitschaft und den Willen zur Umsetzung eines nachhaltigen Geschäftsgebarens unterstreichen und festhalten.

Nach vielen Gesprächen mit Mandanten, Interessenten und Menschen in verschiedensten Positionen der Gesellschaft lässt sich dennoch festhalten, dass Nachhaltigkeit als solches immer ausgesprochen subjektiv ist und vom eigenen Werteverständnis beeinflusst wird. Damit ist eine allgemeingültige Antwort oder Lösung unseres Erachtens schwer.
Die verschiedenen Herangehens- und Sichtweisen der Gesamtheit der angebotenen Anlagelösungen ist sicherlich den verschiedenen herrschenden Vorstellungen und den damit einhergehenden marktwirtschaftlichen Prozessen geschuldet. Ob die EU-Kommission es mit Ihrem Aktionsplan für Nachhaltiges Finanzwesen erreichen wird, eine einheitliche Definition des Begriffs Nachhaltigkeit zu schaffen, die alle Marktteilnehmer zufriedenstellt, bleibt abzuwarten.


Schlussendlich möchten wir folgendes festhalten:

Die Fondsemittenten bzw. die Branche steht nun vor einem beachtlichen Meilenstein in der Entwicklung und dem Vertrieb von Finanzprodukten. Denn es gilt, eine neue Art von Transparenz und Aufklärung zu schaffen, was der Begriff Nachhaltigkeit bedeutet bzw. bedeuten kann, und wo die Vorteile einer in vielerlei Perspektiven nachhaltig orientierten Geldanlage zum Wohle des Investors und letztendlich auch der Gesellschaft liegen.
Denn die noch vielerorts herrschende Meinung, dass Nachhaltigkeitsfonds keine attraktiven Renditen erwirtschaften können, ist mittlerweile hinreichend widerlegt. Zudem werden Nachhaltigkeitskriterien nun zusehends auch als Wertetreiber anerkannt.

Unser Nachhaltigkeitsansatz „ecogreen“ verbindet die Bereiche (E) Umwelt, (S) Soziales und (G) Unternehmensführung durch eine Selektion aus dem weltweiten Anlageuniversum in Kombination mit verschiedenen Anlagestilen- und -strategien.
Wir arbeiten dabei mit etablierten und erfahrenen Partnern zusammen, um einen kontinuierlichen Informationsfluss und einen engen Austausch gewährleisten zu können sowie verschiedenste Anlage- und Selektionsverfahren zu nutzen.

Das persönliche Gespräch ist und bleibt jedoch die erste und beste Lösung zur Identifikation Ihrer persönlichen Wertevorstellungen, darauf freuen wir uns!

Ihr Investmentteam der ecoblue AG

Ralf Lex & Johannes Poitsch